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Vorläufiger Abschlußbericht zum Projekt "Rauchen aufgeben"

Ich rauche seit meinem 16. Geburtstag. An diesem Tag hatte mein Vater mir auf mein Bitten hin eine seiner alten Pfeifen, das Zubehör, und etwas Tabak überlassen. Meine Eltern sind (bis heute) beide Raucher (sie Zigaretten, er Zigarillos), und folgten in der Erziehung dem Grundgedanken, daß man gewisse Dinge als schlicht nicht verhindern kann – und dann kann man wenigstens für kontrollierte Umstände sorgen.

Und so rauchte ich ab dann gelegentlich mal eine Pfeife. Das gefiel mir gut und hatte etwas abenteuerliches, vor allem, wenn man beim Angeln, versteckt hinter Schilf, gemütlich vor sich hin paffen konnte.

Auf Pfeife folgten dann alsbald Experimente mit Drehtabak und anderem Rauchgut. Schließlich war ich vollwertiger Nikotinsüchtiger und qualmte so meine Schachtel Nil oder Chesterfield am Tag weg. Und nachts in der Kneipe noch eine. Die Zigarette und ich gehörten zusammen, als Anosmie-Kranker hatte ich kein Problem mit dem Geruch, und in WG und später eigener Wohnung war Rauchen nie ein Problem.

Warum also aufhören ?

Weil es mich langsam, aber sicher, umgebracht hat. Meine Hausärztin hatte mir letztes Jahr während einer Routineuntersuchung bereits eingeschränkte Lungenfunktion bescheinigt, und ich merkte selber, daß ich kurzatmiger wurde. Erkältungen dauerten länger und zogen einen tage- und wochenlangen Hustenschweif hinter sich her.
Manchmal bemerkte ich beim Einschlafen, daß mein Brustkorb leise Pfeifgeräusche beim Atmen machte, wie eine fast verstopfte Nase.

Bei der letzten Erkältung vor ca. drei Wochen bekam ich dann eines Abends tatsächlich richtig schlecht Luft. Das war die Ohrfeige, die dem Faß den Boden ins Gesicht schlug.

Seit drei Wochen bin ich also rauchfrei, nach ca. 13 Jahren mittelmäßig intensivem Konsums. Meine Erkenntnisse zusammengefasst lauten:

  • Das Rauchen aufzugeben ist beschissen schwer
  • Rauchen ist eine richtige Droge

Erstaunt hat mich, daß ich weniger das Verlangen nach der Zigarette zu bändigen hatte, als vielmehr andere Entzugserscheinungen. Ich hatte Schwindelgefühl, Bauchweh, Depressionsgefühle, und allgemeine Schlaffheit, wie bei einer leichten Erkältung. Teilweise ging das mit einem rauschartigen Gefühl der Realitätsferne einher. Die Körperchemie ist nach vielen Jahren dauernden Zufuhrs mit einem externen Mittel einfach durcheinander, wenn man die Zufuhr dann abstellt.

Das vielbeschworene Geschmacksempfinden, das sich nach der Rauchaufgabe geradezu orgiastisch entfalten soll, ist bisher ausgeblieben. Dagegen hat sich bewahrheitet, daß man mit Alkohol die Lust nach der Zigarette wieder anfachen kann.

Ansonsten bleibt gelegentlich das Gefühl, irgendwie was vergessen zu haben, zum Beispiel nach einem kräftigen Essen. Ich hoffe, das stellt sich langsam ganz ein…

Alles in allem wünschte ich, ich hätte die Geschichte nie angefangen. Aber vielleicht ist es als Erfahrung nicht schlecht – wenn das Aufgeben von Nikotin schon schwer ist, wie fest müssen einen dann andere Drogen umklammern ? Als Präventativ ist es vielleicht nicht ganz negativ, wenn man sich nur leicht die Finger verbrennt, und sich dafür schwerere Verletzungen erspart.

Das Rauchen aufzugeben...

…ist wie verliebt sein: Man versucht ständig, sich abzulenken, und doch durchfährt einen alle paar Minuten aufs Neue schmerzhaft die Erkenntnis, daß da etwas ist, nach dem es einem inbrünstig verlangt, und das man nicht haben kann.

Und dann fühlt man sich, als wäre man erkältet. Naja, ab da hinkt der Vergleich etwas.